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kleinStadtgespräche 2019


Vierzehntes kleinstadtgespräch: Hitzestress - auch im Kleinbasel?

Versiegelte Flächen und Gebäude speichern im Sommer die Wärme und heizen die Umgebung auf. Hitzetage und -nächte belasten die Gesundheit. Städte sind Hitzeinseln, und wegen des Klimawandels werden sie sich weiter erwärmen.

Wenn bei Strassenbauprojekten wie in der Rosentalstrasse Grüntrassees aufgehoben werden und nur einige Bäume gepflanzt werden können, werden bei den Anwohnenden Zweifel laut, ob genügend für die Beschattung und Abkühlung gemacht wird. Im Schatten von Bäumen kann es bis zu 7 Grad Celsius kühler sein als an der Sonne. Die kühlende Wirkung des Schattens wird durch die Verdunstung der Vegetation verstärkt. Versiegelte Oberflächen dagegen lassen Regenwasser schneller ablaufen, ein Teil der natürlichen Kühlung fällt dadurch aus.

Diskussion vom 4. Dezember um 19 Uhr
Quartiertreffpunkt Rosental/Erlenmatt

Egal ob Rosentalstrassse, Efringerstrasse oder Bläsiring. Gemäss den Erfahrungsberichten der Kleinbasler steigt die Anzahl Tage und Nächte mit 40 Grad, wenn der schattenspendende Baum vor der Wohnung wegfällt oder Grünflächen Asphalt weichen müssen. Allenfalls neugepflanzte Bäume bringen da «nix».
Mit Bäumen allein ist es aber nicht getan, meint Emanuel Trueb, Leiter Stadtgärtnerei, es braucht Standorte, wo die Bäume gedeihen können. Einschränkende Randbedingungen in der Stadt sind unterirdische Leitungen, oberirdische Leitungen, Verkehrsanforderungen usw.

Martin Sandtner, Leiter des Planungsamtes, führt ergänzend aus, dass viele Ansprüche gegeneinander abgewogen werden müssen. Beispiel Rosentalstrasse: nach der Umgestaltung gibt es 19 statt wie vorher 3 Bäume, zugunsten von mehr Bewegungsfläche für den Langsamverkehr, sprich breitere Trottoirs wurden die Grüntrassees aufgehoben.
Häufiger Abwägungs- und Streitfall bei Strassenumgestaltungen sind Parkplätze oder Bäume. Auch bei Nachverdichtung für die «Stadt der kurzen Wege» konkurrenzieren die Nachfrage nach mehr Wohnraum mit potenziell grünen ausgleichende Hinterhofflächen (Bsp. Riehenring).  

Wenn es nach Axel Schubert, Klimabewegung Basel ginge, muss man aber als erste Priorität beim Klimaschutz und bei der massiven Reduktion des CO2-Ausstosses ansetzen. Und dafür muss sich die Gesellschaft schon sehr grundsätzlich die Frage stellen: Wie bewegen wir uns? Und wieviel Raum opfern wir dem motorisierten Verkehr?

E. Schäfer, Smart Climate dagegen ist es zu einseitig, Autos bzw. Parkplätze zu verdammen. Es schlägt smarte, digitale Lösungen vor, um vorhandene Parkplätze besser auszunutzen. Und solche technischen Lösungen sollten auch aus dem Pendlerfonds finanziert werden können. Er sprach die Ideologie in der Politik an, die häufig zur Frontenbildung führt und wünscht sich mehr Diskurs über die Parteigrenzen hinweg.

Also wie nun? Technokratisches Management zur Verbesserung des Stadtklimas oder strukturelle Veränderung, um den Klimawandel zu verlangsamen?

Axel Schubert plädiert klar z.B. für eine Autofreie Stadt – hier sind alle Voraussetzungen dafür gegeben. Bei 70'000 Pendler/Tag in die Stadt Basel muss man bei der Mobilität ansetzen. Wenn die Wege nicht mehr schnell zurückgelegt werden können, wird es attraktiver IN der Stadt zu wohnen. Und die Verwaltung als Hüterin des öffentlichen Interesses muss aktiver werden in Sachen Klimaschutz.

Was packen wir an?

  • Nicht nur auf Hitze fokussieren, sondern auch auf Niederschlag (Stadt als Schwamm) Vor der Versickerung das Regenwasser nochmals brauchen
  • Grosses Potenzial besteht beim Einsparen auf individueller Ebene, bescheidener werden, weniger konsumieren.
  • Wertewandel in der Gesellschaft bzgl. Statussymbolen (Autos, teure Reisen, Marken): «Shame not fame»
  • Klimabewusstes Handeln von zu Hause auch mit an den Arbeitsplatz nehmen und dort umsetzen
  • Spielstrassen 2.0: Umwandlung von Spielstrassen in Basel in autofreie Wege mit Rasen usw. Auch mit Eigenverantwortung der Anwohnenden; Notfälle wie Sanität oder Feuerwehr könnten immer noch zufahren und den Müll kann man auch an die nächste befahrbare Strasse tragen.
  • Eine Verwaltung, die proaktiv Prozesse initiiert, die klimapolitisches Bewusstsein fördern (bspw. mit Autofrei-Projekten) und mehr Offenheit für Experimente
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Dreizehntes kleinStadtgespräch: Nutzungsdruck mischt Dreirosenanlage auf

Über 80 Personen aus dem Quartier, aus der Politik, aus dem Jugendbereich und aus der Verwaltung kamen um das Thema «Nutzungsdruck mischt Dreirosenanlage auf» zu diskutieren. Die Dreirosenanlage ist beliebt: Sportfelder, Fitnessplatz und Chillen auf der Wiese locken viele Jugendliche und Erwachsene an. Drogendeal, Alkoholkonsum, Nachtruhestörung, tätliche Konflikte und Bedrohungen rund um die Freizeithalle und Schulhäuser haben zugenommen. Regeln auf dem beschränkten Platz mussten auch bisher verhandelt werden.

Die Kantonspolizei hat die Anlage ständig im Blick und patrouilliert regelmässig, um die Problemgruppen in die Schranken zu weisen. Doch das genügt Vertretern der Eltern, der Jugendarbeit und Schule nicht mehr. Sie wünschen eine Verdrängung der Szene und das Einrichten einer "Kinderschutzzone", auch mittels eines Zaunes. Die Variante Umzäunen wurde heiss diskutiert und von den anwesenden Jugendlichen Basketballer*innen aber nicht als wünschenswert taxiert. Sie lösen das Problem, indem sie vermehrt auf andere Anlagen ausweichen und fordern als Lösungsansatz mehr solche Sport- und Freizeitanlagen. Die Verwaltung schlafe und hätte die Verantwortung schon viel zu lange hin und her geschoben, sagte eine Anwohnerin, es sei nun Zeit zu handeln. Darin waren sich alle Anwesend einig. Es muss was geschehen, am runden Tisch darf nicht mehr nur geredet werden. Aufsuchende Sozialarbeit, mehr Kontrollen und Verschiebung der Szene, sowie konkrete bauliche Verbesserungen sind die Forderungen.

Lösungsansätze und Inputs vom 30.10.2019:

  • Verdrängung statt Repression: Verdrängung durch positive, «unproblematische» Nutzung, durch positive Bespielung
  • Verdrängung sei gesamtgesellschaftlich betrachtet auch keine Lösung (gewisse Gruppen würden an den Rand gedrängt). Mögliche Ansätze: Legalisierung von Drogen und man müsse an dem Systemfehler ansetzen, dass Flüchtlinge quasi in die Illegalität getrieben würden
  • Repression alleine kann es nicht sein, ist nur Symptombekämpfung, Soziale Arbeit setze eher bei den Ursachen an
  • Vertrauensbasis zu den Personen aufbauen, sie als Menschen wahrnehmen. Durch die Art, wie die Kontrollen durchgeführt würden (Übermacht, Racial Profiling) würde bei den Betroffenen auch grosse Wut entstehen
  • Aufsuchende Sozialarbeit: Eine Gruppierung sind Flüchtlinge oder auch abgewiesene Asylsuchende. Perspektivlosigkeit, Drogenhandel. Mit Aufsuchender Arbeit/Migrations-fachleuten kann dort berufliche Integration gelingen, sind aber nur Einzelfälle.
  • Aufforderung, die Kontrollen der Polizei zu verändern und zu verbessern.
  • Wichtig wäre Beziehungsarbeit, bspw. sollte die Jugendpräventionspolizei mehr präsent sein. Denn die Jugendlichen empfinden die Kontrollen durch die Patrouillen als Schikane, aber zur JPP haben sie Vertrauen. Diese Partnerschaft müsse genutzt werden.
  • JUAR will die Szene nicht mehr vor der Freizeithalle/dem Jugi haben und wünscht eine Ausweitung des Kinderspielplatzes vor die Freizeithalle als eine Art «Schutzzone». Problem ist nur: die Regeln existieren schon, nur werden sie nicht eingehalten. Da wird auch kritisch angemerkt, dass man doch Kinder nicht zur De-Eskalation bei Gewalt einsetzen solle.
  • Lenkung durch Angebote, bspw. Sitzmöglichkeiten – und ergänzt mit Dach für die Schlechtwetterzeit. Die Stadtgärtnerei verspricht das zu prüfen.
  • Politische Anteilnahme sei jetzt auch wichtig. Man müsse zu hören und rechtzeitig Lösungsansätze verfolgen. à Rückmeldung dazu: mit den aktuellen Mehrheitsverhältnissen im Grossen Rat sind mehr Gelder für Soziale Arbeit nicht immer zu kommen.
  • «Parkranger» ähnlich wie auf der Claramatte: eine Person für Dialog, Beziehungsaufbau, Eigenverantwortung für Anlage, Vermittlung

Plädoyer für das Ziel, die Anlage für die Nutzenden attraktiv zu halten!